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WAS IST FAIRER HANDEL?


GRUNDLAGEN DER WELTLADEN-ARBEIT

Die Konvention der Weltläden formuliert das Selbstverständnis der Weltläden in Deutschland und die zentralen Kriterien,
an denen Weltläden ihre Arbeit messen.

Die sieben Kriterien

> Sozial- und Umweltverträglichkeit

> Transparenz

> demokratische Organisationsform

> Kontinuität

> not-for-profit-Charakter

> Information und Bildungsarbeit

> Regeln für Ergänzungsprodukte

werden in der Konvention auf die wichtigsten drei Ebenen des Fairen Handels angewendet:
Produzenten-Organisationen, Importeure und Weltläden sollen diesen Richtlinien gleichermaßen genügen.
Die Unterzeichnung der „Konvention der Weltläden“ ist Voraussetzung für die Mitgliedschaft im Weltladen-Dachverband.

Hier können Sie die Kurzfassung der Konvention der Weltläden herunterladen..



WIE FUNKTIONIERT FAIRER HANDEL?

Der Welthandel ist vor allem eins nicht: Fair. Wenige bekommen viel und viele bekommen wenig. Der Faire Handel ist ein Versuch, die Verteilung gerechter zu gestalten. Er basiert auf einfachen Grundregeln, Demokratie, festen Zusagen, hoher Qualität, gegenseitigem Respekt und Solidarität.

Jeder produziert was er am besten kann und am Ende wird getauscht. Danach geht es allen besser, so einfach kann Handel sein — theoretisch. Doch schon als David Ricardo Anfang des 19. Jahrhunderts dieses Prinzip als Wohlstandsmotor für alle Beteiligten beschrieb, war es überholt. Schutzzölle und Einfuhrbeschränkungen regelten den Warenverkauf und verhinderten den fairen Austausch von Gütern.

Heute sind Theorie und Praxis des Welthandels weit über diese Anfänge hinausgewachsen. Lange schon wird nicht mehr alles selbst produziert, sondern weltweit gehandelt. Globalisierung wurde das Zauberwort der letzten Jahrzehnte. Immer schneller, immer billiger, immer besser — leider nicht immer fairer. An vielen Stellen verkommt der Welthandel zum faulen Zauber: Offene Märkte nur, wenn sie den Industrieländern nutzen. Stattdessen Bollwerke dort, wo Konkurrenz gefürchtet wird. Wohlfahrt für alle bleibt eine Illusion, aus einer Welt sind drei bis fünf geworden.

Ein gelungener Versuch, dieses Ungleichgewicht zu beeinflussen, ist der Faire Handel. Dialog, Transparenz und Respekt haben sich hier die Handelspartner auf die Fahnen geschrieben und nicht zuletzt: Mehr Gerechtigkeit. Aus diesen Visionen Einiger ist mittlerweile Hilfe für Viele geworden. Aus Direktimporten von Einzelpersonen ist ein ganzer Wirtschaftszweig entstanden und aus dem Tropfen auf den heißen Stein ein beständiger Handelsstrom. Folgt man diesem Strom von seiner Quelle bis in den Weltladen, entdeckt man ganz neue Facetten des Welthandels und sieht die Produkte mit anderen Augen.

Zum Beispiel Kaffee

Der Duft aus Lateinamerika, die Faszination Afrikas – all das steckt in einer Tasse Kaffee. Es bedeutet auch, dass die Bohnen eine lange Reise hinter sich haben. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kaffees wird der Kaffee aus Fairem Handel vor allem von KLEINBÄUERLICHEN FAMILIEN , die sich zu Genossenschaften oder Initiativen zusammengeschlossen haben, angebaut und geerntet. Die Fair-Handels-Importeure fördern und fordern Eigeninitiative und DEMOKRATISCHE ORGANISATION von ihren Handelspartnern in den Ländern des Südens. Auch SOZIALVERTRÄGLICHE ARBEITSBEDINGUNGEN sind Pflicht, ebenso wie ständige QUALITÄTSKONTROLLEN. Anreiz trotz dieser harten Anforderungen am Fairen Handel teilzunehmen, ist ein GARANTIERTER ABNAHMEPREIS , der langfristig über Weltmarktniveau liegt und der für die Produzenten Planungssicherheit und einen gerechteren Lohn bedeutet. Auch sind die „Alternative Trade Organisations“ – kurz ATOs – angehalten, den Kooperativen bis zu 60 Prozent des Kaufpreises des Kaffees als VORFINANZIERUNG anzubieten, damit sie ihre Mitglieder bar und sofort bei Ablieferung der Ernte bezahlen können.

Da ein fairer Preis nicht nur die Produktionskosten decken, sondern auch eine sozial und ökologisch verantwortliche Produktion ermöglichen soll, bleibt ein kleiner Mehr erlös. Über diesen werden Projekte gefördert, die Chancen auf Bildung, Gleichberechtigung und unabhängiges Handeln eröffnen. Werden die Chancen genutzt, können Erfolgs geschichten wie die der Frente Solidario entstehen, bei denen Fairer Handel den Menschen echte Perspektiven bietet.

Auf Weltreise

Wir folgen der Route des Kaffees von seinen Anbaustätten hin zu den Küsten. Berge von Kaffeesäcken stapeln sich am Hafen — gut verpackt und bereit für den Transport. Der Hafen, Schnittstelle für Exporteure und Importeure. Wenn gepa, EL PUENTE oder dwp auf dem Frachtzettel steht, macht sich dort fair gehandelter Kaffee auf die Reise. KURZE HANDELSKETTEN SIND EIN PRINZIP DER IMPORTEURE: Je weniger Zwischenstationen der Kaffee durchlaufen muss, umso mehr bleibt für die Produzenten übrig. An konventionellem Kaffee müssen viele verdienen — die Produzenten zuletzt.

Im Weltladen

Meist endet die Reise des Kaffees an einem der großen Überseehäfen in Holland oder Deutschland. Von dort aus geht es auf möglichst kurzem Weg in die Weiterverarbeitung: rösten, mahlen — und dann ab in die Tüte. Für den Verkauf von Kaffee im Supermarkt ist ein Transfair-Siegel Pflicht, das den Importeuren bescheinigt, nach spezifischen Kriterien des Fairen Handels gearbeitet zu haben. Auf manchen Kaffees in Weltläden findet sich dieses Siegel nicht, da es mit hohen Lizenzgebühren verbunden ist. Weltladenkunden dürfen trotzdem bedenkenlos zugreifen, denn hier werden nur Kaffees angeboten, die von reinen Fair-Handels-Organisationen stammen. Geprüft und kontrolliert. Für andere im Supermarkt vertretene konventionelle Kaffeehändler bietet das Siegel die Möglichkeit, die unter fairen Handelsbedingungen importierten Teilmengen ihres Sortiments zu kennzeichnen. Christoph Seitz -- ( Auszug aus: Kundenmagazin WELT & LADEN, Ausgabe Frühjahr 2006)

Viele weiterführende Informationen rund um den Fairen Handel, finden sie beim Weltladen Dachverband, oder auch hier